STUMM-DENK-MAL

 

Eine Stadt in Deutschland, die infolge einer globalen Wirtschaftskrise in massive Schwierigkeiten gerät. Ihr Oberbürgermeister ist verzweifelt. Bei einem nächtlichen Spaziergang, in Gedanken nach einer rettenden Lösung für seine Stadt versunken, fällt er vor dem Denkmal eines ehemaligen Industriellen, der den Menschen in dieser Region einst in seinem Eisenwerk über viele Jahre zu Arbeit und Lohn verhalf, auf die Knie und fleht den Stahlbaron um Hilfe an. Damit erweckt er das Denkmal auf wundersame Weise zu neuem Leben. Doch damit nicht genug. In dieser skurrilen und heiteren Geschichte, die irgendwann in der Zukunft spielt, werden noch ein paar andere städtische Denkmäler wiederbelebt, die gemeinsam mit dem OB in einem längst abgerissenen alten Stadtbad, das plötzlich wieder an seinem ursprünglichen Platz steht, abenteuerliche Pläne zur Lösung der anstehenden Probleme schmieden. Ein Märchenbuch für Junge und Erwachsene mit 10 Illustrationen, in dem Zukunft und Vergangenheit für eine Nacht miteinander verschmelzen.  

 

 

Leseprobe

 

Ein eiskalter Wind bläst Oberbürgermeister Nachneuber-Deckerfried dicke Schneeflocken ins Gesicht, als er zu später Stunde das Rathaus am Oberen Markt verlässt. Die bevorstehende Stadtratsitzung in drei Tagen hat ihn in letzter Zeit kaum zur Ruhe kommen lassen und liegt ihm auch jetzt wie ein Stein im Magen. Immer wieder ist er mit dem Kämmerer die Zahlen durchgegangen, immer wieder haben sie sich über zusätzliche Einnahmequellen und weitere Einsparpotenziale den Kopf zerbrochen, doch die nackten Zahlen sprechen eine untrügliche Sprache. Die Stadt Neunkirchen, seine Heimatstadt, steckt in Schwierigkeiten. Lange schon hat er sich vergeblich darum bemüht, dem entgegenzuwirken, doch die seit Jahren anhaltende wirtschaftliche Talfahrt in ganz Europa mit immer größer werdenden Staatsverschuldungen hat dramatische Ausmaße angenommen und natürlich auch die Stadt Neunkirchen nicht verschont. Dem OB ist jedoch bewusst, dass er sich mit derartigen Argumenten in der Stadtratsitzung kaum rechtfertigen kann. Schließlich hatte man ihn als Hoffnungsträger ja gerade gewählt, um dieser negativen Entwicklung entgegenzusteuern. In einem leidenschaftlich geführten Wahlkampf hatte er die goldenen Zeiten wieder heraufbeschworen, doch statt dessen ging es immer weiter bergab. Alle Anstrengungen, durch Ausbau von Gewerbegebieten und Investitionen in eine attraktivere Innenstadt neue Unternehmen hier anzusiedeln und zusätzliche Arbeitsplätze zu schaffen, haben leider nicht die erhofften Ergebnisse gebracht. Im Gegenteil, die damit verbundenen Kosten haben die Probleme letztlich nur noch weiter verschärft. Wirre Gedanken schwirren ihm durch den Kopf, als er planlos den menschenleeren und tief verschneiten Hüttenberg hinunterstapft, vorbei an vielen leer stehenden und maroden Wohn- und Geschäftshäusern. Trotz der eisigen Kälte will sein Kopf einfach nicht frei werden von negativen Gedanken. Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst. Völlig erschöpft bleibt er schließlich mitten auf dem Stummplatz vor dem großen Einkaufscenter stehen, das lange Jahre als Einkaufstempel und Besuchermagnet weit über die Grenzen seiner Stadt hinaus bekannt war. Doch auch hier gehen die Geschäfte lange nicht mehr so gut wie früher. Wo nicht genügend Arbeit ist, da fehlt nun mal auch das Geld, um es zum Einkaufen auszugeben. Immer mehr Menschen haben die Stadt verlassen, vor allem die Jüngeren, die ihre Glück woanders suchen, weil sie hier keine richtige Arbeit mehr finden. Hier geblieben sind meist nur die Alten, die Kranken und die Bedürftigen. Wenn das so weitergeht, droht Neunkirchen noch zu einer Geisterstadt zu werden, schießt es ihm durch den Kopf. Es will ihm einfach nicht gelingen, den trüben Gedanken Einhalt zu gebieten. Sein Blick schweift umher und bleibt schließlich am Denkmal des Freiherrn Karl-Ferdinand von Stumm hängen. Doch der einst mächtigste Mann dieser Stadt, der ihr mit dem Eisenwerk Arbeit und Wohlstand beschert hat, würdigt ihn keines Blickes. Der OB mustert die imposante Erscheinung auf dem Denkmalsockel eindringlich. Dann bricht es plötzlich aus ihm heraus.

       „Was glotzt du denn so teilnahmslos in die Gegend?“, schreit er die Statue plötzlich an. „Ist es dir denn völlig egal, was mit unserer Stadt passiert? Steh´ hier nicht so herum wie ein Ölgötze und hilf mir lieber, die Stadt zu retten, denn ich bin am Ende und weiß einfach keinen Ausweg mehr.“ Völlig verzweifelt fällt er schließlich vor dem Denkmal auf die Knie und bedeckt mit eiskalten Händen sein Gesicht. Nur drei Tage noch, dann wird man im Stadtrat Rechenschaft von ihm fordern und ihn zur Verantwortung ziehen, falls ihm nicht noch die rettende Lösung für seine Stadt einfällt. Aber gibt es so etwas überhaupt, eine rettende Lösung? Nein, und er hat dem auch nichts entgegenzusetzen, absolut nichts. Man wird ihm das Vertrauen völlig entziehen, und dann …? Aufgeben? Rücktritt? Viele, die einst große Hoffnung in ihn gesetzt und ihm ihr Vertrauen geschenkt haben, werden sich sicher von ihm abwenden. So wird er hier jedenfalls nicht länger weitermachen können und sich etwas anderes suchen müssen. Aber was und wo? Die negativen Gedanken drohen ihm den Verstand zu rauben. Vielleicht bin ich ja schon verrückt, denkt er sich, wenn ich hier vor einem leblosen Denkmal stehe und um Hilfe bettele.

       „Nein, das seid Ihr nicht, guter Mann. Ich kann sehr gut verstehen, was in Euch vorgeht. Deshalb will ich versuchen, Euch zu helfen“, hört er plötzlich eine Stimme.

       Entsetzt reißt er die Augen auf. Hat ihn etwa doch jemand hier beobachtet, ihm zugesehen und zugehört, wie er sich vor einem Denkmal zum Gespött macht? Aber weit und breit ist niemand zu sehen.

       „Jetzt ist es passiert, ich habe tatsächlich den Verstand verloren“, stöhnt er auf.

       „Nein, das habt Ihr nicht, schaut bitte nach oben“, befiehlt ihm die Stimme.

       Dem OB droht das Blut in den Adern zu gefrieren. Schreckliche Gedanken schießen ihm durch den Kopf. Schaut nach oben? Das klingt verdächtig nach ... bin ich vielleicht schon im …

       „Nein, guter Mann, das seid Ihr nicht. So einfach stirbt man nun auch wieder nicht. Los, nun nehmt schon die Hände vom Gesicht und schaut mich endlich an“, unterbricht die Stimme erneut seine Gedanken.

 

92 Seiten

ISBN: 978-3848217854

Preis: 7,90 €

 

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