Lukas ist am Ende, sein Leben erscheint ihm zerstört. Seinen gut bezahlten Job als Montageingenieur hat er aufgrund von Alkohol- und Geldproblemen verloren. Zudem steht ihm ein Prozess wegen Korruption bevor, der seine berufliche Zukunft endgültig zu zerstören droht. Die Schuld an dieser tragischen Entwicklung gibt er seiner Frau Christina, die ihn mit anderen Männern betrogen und sein Leben dadurch ins Wanken gebracht hat. Er beschließt, sich an ihr zu rächen und seinem Leben danach selbst ein Ende zu setzen. Mit einem Wagen lauert er ihr eines Morgens auf, um sie auf einer schmalen Brücke, wo es keine Auswegmöglichkeit für sie gibt, zu überfahren. Doch als er auf sie zurast, lässt ihn ihr entsetzter und angsterfüllter Blick in letzter Sekunde das Steuer des Wagens herumreißen, worauf dieser sich überschlägt und eine steile Böschung hinabstürzt. Dann geschieht etwas Unglaubliches …

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... Der Wagen hielt vor dem Krankenhaus und Christina wurde zur Notaufnahme transportiert. Lukas trottete mit mulmigen Gefühlen hinterher. Er hörte, wie der Notfallarzt seinem Kollegen in der Notfallaufnahme kurz über Christinas Zustand informierte.

     „Nichts Ernstes, Herr Kollege“, sagte er, „lediglich ein paar Schürfwunden und vermutlich eine Schockreaktion. Ich nehme an, dass wir sie eventuell morgen schon wieder entlassen können.

     Der aufnehmende Arzt nickte. „Wir werden sie trotzdem nochmal gründlich durchchecken. Was ist denn eigentlich passiert?“

     „Sie wäre fast von einem Auto überfahren worden. Der Fahrer hat sie wohl bei den schlechten Sichtverhältnissen zu spät gesehen und konnte noch in letzter Sekunde den Lenker rumreißen. Ist natürlich viel zu schnell gefahren, der Typ. Ihn hat es dabei übel erwischt, Schädelbruch, Frakturen am ganzen Körper. Er wurde in die Uniklinik transportiert. Ich nehme an, man wird ihn dort ins Koma versetzen, aber ob er eine Überlebenschance hat, glaube ich offen gestanden nicht“, sagte er und schüttelte den Kopf dabei.

      Lukas war außer sich. „Was reden Sie denn da für einen Unsinn, ich bin der Fahrer des Wagens und mir ist überhaupt nichts passiert, sonst würde ich ja wohl kaum hier vor Ihnen stehen“, rief er und ging wild gestikulierend auf die beiden Ärzte zu, die ihn jedoch keines Blickes würdigten. „Verdammt noch mal, jetzt reicht´s mir aber, wollen Sie mir bitte endlich mal Ihre Aufmerksamkeit schenken und ein paar Fragen zum Zustand meiner Frau beantworten“, sagte er und versuchte den Notarzt an den Schultern zu packen, doch seine Hände griffen ins Leere, Nein, nicht ins Leere, aber irgendwie durch den Körper des Mannes hindurch. „Das gibt´s doch nicht, ich bin wohl verrückt geworden … oder vielleicht ein Unfallschock?“, stammelte er und versuchte es erneut, aber wieder ohne Erfolg, ebenso wie der Versuch, jemanden anderen anzusprechen. Weder Ärzte noch Rettungssanitäter oder Krankenpfleger reagierten auf ihn. Er war völlig verwirrt und wusste sich keinen Reim darauf zu machen. Erste düstere Ahnungen, dass er den Unfall vielleicht doch nicht überlebt haben könnte und jetzt hier als Geist durch die Gegend irrte, versuchte er zwar zu verdrängen, aber normal war das jedenfalls nicht, was ihm da gerade widerfuhr. Hatte der Arzt nicht gesagt, man hätte ihn in die Uniklinik transportiert. Sollte er sich vielleicht dort selbst davon überzeugen, ob er … Im gleichen Moment sah er sich über dem Körper eines Mannes schwebend, der auf einer Intensivstation lag, mit verbundenem Schädel und am ganzen Körper mit Wunden übersät. Überall waren Schläuche und Kabel angeschlossen, die mit medizinischen Geräten verbunden waren. Auf der Patientenakte, die auf der Ablage neben dem Bett lag, konnte er seinen Namen lesen. Merkwürdig, aber er empfand für die Gestalt dort unten im Bett, die doch offensichtlich er selbst war, keinerlei Mitgefühl. Er war vielmehr überwältigt von dem, was er da gerade erlebte und fühlte sich vollkommen frei und unbeschwert. Ein grenzenloses Gefühl von Frieden und Freiheit durchströmte ihn und ließ ihn immer höher schweben, ungehindert durch Wände und Decken hindurch. Irgendwo in der Ferne sah er ein Licht strahlen, das ihn magisch anzuziehen schien. Mit rasender Geschwindigkeit bewegte er sich diesem Licht durch eine Art Tunnel entgegen, an dessen Wänden entlang sich andere Wesen bewegten, die er zum Teil als menschenähnliche Gestalten, aber auch als leuchtende Objekte in schillernden Farben ausmachte. Er verspürte ein unstillbares Verlangen, in das strahlende Licht vor ihm, das eine grenzenlose Liebe auszustrahlen schien, einzutauchen und für immer damit zu verschmelzen ...

 

Taschenbuch 160 Seiten, 7,50 €

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